Glasscherben

Es gibt Situationen, in denen bewege ich mich wie ein Elefant im Porzellanladen. Mein kleiner Zeh kollidiert unsanft mit der Sofaecke beim flugsen vorbeigehen. Ich stolpere über meine eigenen Schuhe, die ich nur wenige Sekunden davor abstreifte. Oder es klirrt erschreckend, wenn ich die Geschirrspülmaschine schliesse. Um solchen teils absehbaren Schäden möglichst zu entgegnen, spüle ich die filigranen Weingläser im Spülbecken mit dem Schwamm, ehe ich sie mit dem Handtuch trockne. Ich bin dabei, ein weiteres Glas trocken zu reiben. Es knackt; der Elefant hat wieder zugeschlagen! Ich halte einzelne Glasscherben in der Hand und im Baumwolltuch. Dabei überkommt mich ein ungutes Gefühl. In Windeseile macht sich Unsicherheit in mir breit. Ich fühle mich plötzlich genauso zerbrechlich wie das Weinglas. Ich knie auf den Boden und fühle nach möglichen kleinen Glasscherben auf dem Boden. Ich spüre die Kälte des Bodens. Ich beginne, zu frieren. Kälte, die tief eindringt, und Unsicherheit lassen mich erstarren. Ich brauche Wärme – Wärme und Zuneigung. Eine Stimme durchdringt die unerträgliche Stille und Einsamkeit: „Hast du dich mal wieder als Elefant bewiesen?“, sagt Vanessa mit unüberhörbarem Humor und Sarkasmus in ihrer Stimme. Sie kommt um die Ecke und sieht mich auf den Knien. Sie spürt sofort, dass etwas nicht in Ordnung ist. Mir kullert eine Träne über die Wange. Sie kommt zu mir, entlastet mich von den Glasscherben und nimmt mich in die Arme; Wärme und Zuneigung.

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