Plan oder spontan?

Ich bin der Planer. Mit Planung verdiene ich meine Brötchen. Seit einiger Zeit verspüre ich mehr und mehr den Drang nach Spontanität. Vielleicht geht es ehr um geplante Spontanität. Darunter verstehe ich, einen Ausflug zu planen, den Ablauf dieses Ausflugs allerdings den spontanen Entscheiden zu überlassen. Ein Beispiel: Im Laufe der Woche entscheiden wir am Familientisch, am kommenden Sonntag zum See zu fahren. Das ist der Plan. Um dann nicht verhungern zu müssen, schreiben wir am Samstag beim Frühstück gemeinsam die Einkaufsliste und erledigen den Einkauf gleich umgehend danach. Auch dies gehört noch zum Plan. Am Sonntagmorgen dann ist mir nicht danach, mit dem Auto zum See zu fahren, da ich davon ausgehe, es wird kaum genügend Parkierungsmöglichkeiten haben. Denn das Wetter ist prächtig und viele werden den See als Ausflugsziel nutzen. Also entscheiden wir uns spontan, mit der Bahn und dem Bus zum See zu fahren. Der Fahrplan soll unwichtig sein, wir gehen zur Bahnstation. Auf der Bahnfahrt überqueren wir einen Fluss. Ariana und Silvana finden, hier sehe es wunderschön aus. Wir entscheiden spontan, beim nächsten Halt auszusteigen und zu einem schönen Platz am Fluss zu spazieren. So oder ähnlich übernimmt die Spontanität allmählich Überhand und verdrängt den ursprünglichen Plan. Am Ende des Tages sind alle zufrieden und blicken auf einen wunderbaren Tag zurück. Es hätte allerdings auch alles schief laufen können. Ja, hätte es… Aber genau diese Spontanität suche ich. Denn dadurch müssen wir uns aufeinander einlassen, aufeinander achten, uns spüren, uns vertrauen und uns auch verzeihen können.Dieses Jahr fahren wir für zwei Wochen in den Süden. Die Himmelsrichtung also ist definiert. Eine mögliche Route planen wir auch. Fix aber legen wir lediglich fest, an welchem Tag wir abfahren und wann wir wieder zurückkehren. Die vierzehn Tage dazwischen sollen sich spontan ergeben. Der Weg soll das Ziel sein. Losfahren und dort halten und übernachten, wo es uns gefällt. Und für den Fall, dass wir mal keine Unterkunft finden sollten, packen wir unsere Schlaftüten in den Kofferraum. Die Mädchen freut dies und hoffen, das eine oder andere mal im Auto schlafen zu müssen; abenteuerlich. Sollte die gefahrene Tagesdistanz auch nur wenige Minuten betragen. Das klappt am ersten Tag ganz gut. Die Unterkunft buchen wir beim Touristenbüro, in welchem wir übernachten möchten. Das kleine Hotel ist erste Sahne. Der zweite Tag bricht an und wir fahren weiter in Richtung Süden. Leider ist es diesmal nicht ganz so erfolgreich, wie es noch am Tag zuvor war. Gegen 16 Uhr etwa haben wir noch keine Unterkunft gefunden. Ariana und Silvana werden zusehends unruhig. Ich werfe ein, spontan einen Halt einzulegen, bei dem Shauna und die Mädchen ein Eis geniessen, während ich das örtliche Touristenbüro aufsuche und gleichzeitig online nach einer Unterkunft suche. Diese Spontanität geht Shauna allerdings zu weit. Sie möchte zuerst die Unterkunft wissen, bevor sie sich mit den Kindern hinter den Eisbecher setzt. Nach einigem Suchen finde ich dann eine Unterkunft. Am nächsten Morgen beim Frühstück ist die Stimmung eher drückend. „Was meinst du, finden wir heute eher eine Unterkunft?“ werde ich gefragt. Woher soll ich das wissen? Ich spüre, diese Spontanität nagt sehr an Shauna. Deshalb beschliesse ich, ab sofort jeden Abend — wenn alle eingeschlafen sind — online zu schauen, wo wir am nächsten Tag genau hinfahren. Kriterien dafür sind: Fahrzeit, mögliche Sehenswürdigkeiten am potenziellen Zielort oder andere Möglichkeiten zum verweilen, sowie natürlich Übernachtungsmöglichkeiten. Ich lasse mich nicht in die Traumwelt entführen, ehe der nächste Tag durchgeplant ist. Bääääm, die Spontanität ist weg!! Mein Bedürfnis findet keine Befriedigung mehr. Nicht in diesem Urlaub, nicht in vielen kleinen und grossen Vorhaben…

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