Viele glücklich verheiratete Männer wissen wohl ganz genau, wovon ich spreche, wenn ich folgende mir immer mal wieder passierte, etwas pointiert formulierte Geschichte erzähle: Der Titel könnte sein „Ein Ehering am Finger zieht Frauen an“. Mal wieder mit Kumpels auf ein Feierabendbier oder gegen Mitternacht in einer Bar. Ich geniesse die Zeit mit meinen Freunden immer sehr. Wir diskutieren oft über Sport, über Politik und auch über die Arbeit. Irgendwann findet mich ein Augenpaar, auf das ich aufmerksam werde. Wenige Minuten später schaue ich nach, ob sie noch immer meinen Blick sucht. Ich habe mich nicht getäuscht. Sie ist attraktiv. Ich selber fühle mich nicht sonderlich attraktiv. Ich habe mich ja auch nicht herausgeputzt oder für diese Bar angemessen gekleidet. Ja wirklich, ich finde sie attraktiv! Ist es denn verwerflich, andere Frauen attraktiv zu finden? Diese Frage muss jede/r für sich beantworten. Als ich den nächsten Schluck aus meinem Bierglas nehmen möchte, klopft mein Ehering ans Glas. Ein helles „Kling“ ertönt. Ich denke mir: attraktive Frau, ich bin verheiratet. Das siehst du ja. „…gegen Bayern München gewonnen hat. Der Müller mit einem Dreierpack. Wie im Lehrbuch!“ Nach den nächsten Spielkommentaren und nach dem dritten Bier mache ich mich auf den Weg zum Klo — die Frau von vorhin nunmehr irgendwo im Hinterkopf. „Hey, bist du alleine hier?“ Ich drehe meinen Kopf zur Seite. Die attraktive Frau kommt nach und nach in mein Blickfeld. Etwas unbeholfen sage ich: „Entschuldige, ich sollte dringend für kleine Jungs.“ Als Singel hätte ich mir dies nie erlaubt. Auf dem Rückweg vom Klo schien es, als ob sie mich erwarten würde. Sie begleitete mich zu meinen Kumpels und begann, mit mir zu plaudern. Meinen Ehering brachte ich immer mal wieder in ihr Sichtfeld. Sie schien ihn zu ignorieren. Ein weiterer Kumpel geriet in unser Gespräch. Auch er verheiratet. Er fand ziemlich Gefallen an ihr. Dies war offensichtlich. Die anderen Kumpels gingen auf die Tanzfläche. Als mein Kumpel merkte, dass sie sein Interesse nicht entgegnete, meinte er, er müsse mal und kam auch nicht wieder. Irgendwann las ich eine SMS von ihm, ihm habe es den Magen umgedreht und er sei in der Strassenbahn nach Hause. Also waren sie und ich alleine. Immer wieder suchte sie Körperkontakt. Ich schien ihr wohl zu gefallen. Auch als eine ihrer Freundinnen kam und ihr sagte, sie werden demnächst den Weg nach Hause antrete, blieb sie bei mir an der Bar. Kurz gesagt: ich hatte freie Bahn! Als auch ich an die Heimkehr dachte, fragte sie mich, ob ich sie nach Hause begleiten würde. Ich erwiderte, dass ich sie noch zur Haltestelle der Strassenbahn begleiten und dann den Heimweg antreten werde. Als sie mich nach meiner Telefonnummer fragte, bedankte ich mich für die netten und interessanten Gespräche. Sie bat mich um einen zärtlichen Gute-Nacht-Kuss, den ich allerdings ablehnte. Bei der „normalen“ Verabschiedung meinte sie, ich sei sehr attraktiv, aber auch überaus hartnäckig. Solche Ehemänner fände sie nur wenige. Diese seien für eine Nacht meist einfach zu kriegen.
Solchen oder ähnlichen Situationen begegne ich immer mal wieder. Selbstverständlich nicht jedes mal, wenn ich mit meinen Kumpels ein Bierchen trinke, aber ab und an. Auch einzelne Frauen auf der Arbeit oder beim Sport äussern sich manchmal mit eindeutigen Bemerkungen. Sogar so, dass auch Arbeitskolleginnen oder Mitstreiter im Sport zu mir sagen, diese Frau will was von dir. In diesen Momenten merke ich das meist nicht. Erst danach realisiere ich, was vor sich ging… Ohne anzugeben, muss ich mir gestehen, dass ich ab und zu die Möglichkeit habe, um Fremd zu gehen. Mit reinem Gewissen aber kann ich sagen, dass ich keine dieser Möglichkeiten genutzt habe und dies auch nie werde.